Abenteuer Volontärsausbildung

Ludwig Maaßen

Ludwig Maaßen absolvierte die ifp-Ausbildung und war nach Tätigkeiten in Wissenschaft, Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit ab 1981 Redakteur beim Bayerischen Rundfunk. Von 1986 bis 2012 leitete er die BR-Journalistenausbildung.

Die Herausforderung lautete: Konzipieren Sie ein Volontariat. Ich war 38 Jahre alt, im sechsten Jahr Redakteur beim Bayerischen Rundfunk, und anwortete: „Ja, gerne.“ Es sollte das Abenteuer meines Berufslebens werden, für die folgenden 27 Jahre.
Der BR war der letzte öffentlich-rechtliche Sender, der kein Volontariat anbot. Das Konzept stand schnell. Eine Kombination von Kursen à la Journalistenschule und Lernaufenthalten in Redaktionen. Und als letztes Modell sollte es auf jeden Fall das beste werden.

Aber es gab Gegenwind im Sender. „Das ist ja viel  zu teuer,“ erwiderte der designierte Hörfunkdirektor Udo Reiter, als ich ihm das Konzept präsentierte. „Es reicht doch, die Hospitanz um 15 Monate zu verlängern.“
Auf wundersame Weise entschied sich der Intendant für das teure Modell, und  ich erhielt den Auftrag, die Theorie in die Praxis umzusetzen. Es gab viel zu tun, also packte ich es an: Etat und Schulungsraum besorgen, Kurse und Ausbildungsmodelle  anderer Sender prüfen, Gespräche führen mit Leuten aus der Aus- und Fortbildungsszene, Teilnehmerzahl, Ausbildungsziele  und Auswahlmodalitäten festlegen.
Im BR war Überzeugungsarbeit zu leisten. Zwar begrüßten einige wenige Kollegen das neue Volontariat; aber viele standen der Neueinführung skeptisch bis ablehnend gegenüber. Ihrer Meinung nach reichte es völlig, wenn angehende Mitarbeiter nach der Hospitanz durch learning-by-doing rekrutiert wurden, zumal die Redaktionsleiter bei diesem Prozeß ohne Beteiligung der BR-Zentrale nach eigenem Gusto schalten und walten konnten.
Mit dem ersten Jahrgang begann nicht nur für zehn Frauen und zwei Männer  die Probe aufs Exempel, sondern das Abenteuer ging auch für mich weiter. Ich war bei jedem Trainingskurs dabei und entschied, was für das nächste Mal beibehalten und was geändert werden sollte. Ständige Verbesserung sollte im Ausbildungsalltag angestrebt werden mit dem Ziel, Qualitätsjournalismus zu liefern. Gemeinsam mit Trainern entwickelte ich auch speziell auf den BR zugeschnittene Schulungsinhalte. Schon  mit dem  ersten  Kurs ging es für eine Woche in die damalige Hauptstadt Bonn; ab dem vierten Kurs stand Brüssel regelmäßig im Programm. Mit der Zeit wuchs der Kursanteil, so dass das Volontariat ab 2007 auf zwei Jahre verlängert wurde.
Die Qualität des Schulungsangebots zu verbessern war eine ständige Aufgabe, immer mit dem Ziel vor Augen: Hörfunk- und Fernsehprogramme besser zu machen. Ebenso wichtig war es, die Schützlinge zu führen und zu beraten, wenn sie das wünschten, und sie in eine sinnvolle und für sie passende berufliche Zukunft zu begleiten. Und andererseits sollten Redaktionsleiter gute Vorschläge erhalten, wenn sie sich mit Nachwuchsfragen an mich als Ausbildungsleiter und Kollegen wandten.
Inzwischen bin ich fast fünf Jahre raus aus dem Job und befasse mich mit Medien nur noch in Vorträgen für Volkshochschulen. In Radio und Fernsehen treffe ich häufig auf hervorragende Beiträge von Ex-Volontären. Und so macht mir die Arbeit von damals noch heute viel Freude. Besonders natürlich, wenn eine oder einer von ihnen einen Preis gewinnt oder  - wie neulich erst geschehen - Chefredakteur wird.

Ludwig Maaßen

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