Abenteuer im "Meer der Zeit"

Jörg Volpers (54), Diplom-Theologe, Redakteur der Zeitschrift „Kompass. Soldat in Welt und Kirche“ und von www.katholische-militaerseelsorge.de in Berlin, beschreibt in den GKP-Informationen, welche Abenteuer ihm sein Beruf beschert hat:

Gelegentlich muss ich in meinem beruflichen Alltag – aber auch, wenn ich ehrenamtlich oder privat aktiv bin – an meinen Heimatbischof, Joseph Kardinal Höffner, denken. In den 80er Jahren erklärte er uns jungen „Laientheologie“-Studierenden an der Uni Bonn, es werde im Erzbistum Köln für uns nicht genug Stellen als Pastoralreferenten oder in anderen Funktionen „bei der Kirche“ geben. Er empfahl uns, dennoch intensiv zu studieren, um später als „Fischer im Meer der Zeit“ Zeugnis abzulegen und unsere Berufung und Charismen in ähnlichen, passenden Berufen oder als Freiwillige in der Gemeinde einzubringen.

 In diesen geburtenstarken Jahrgängen mit noch relativ vielen Theologiestudenten und wenig Aussichten auf eine feste Anstellung klang das nicht gerade ermutigend, und manche wechselten früher oder später das Studienfach, mitunter sogar die Konfession.
Heute arbeite ich zwar bei „der Kirche“, konkret bei der „Katholischen Soldatenseelsorge AöR“ und nicht etwa bei der Bundeswehr, finde aber, dass Höffner insofern Recht hatte: Das „Meer der Zeit“, die heutige Gesellschaft, das alltägliche Lebensumfeld, ist wohl auch das, was der Untertitel der Zeitschrift des Katholischen Militärbischofs meint: Soldat „in Welt und Kirche“. Journalismus und Glaube sind für manche sicher ebenso wenig zusammenzubringen wie Militär und Seelsorge oder eben Welt und Kirche. Und doch ist gerade das ein Teil des „Abenteuers“: scheinbare Gegensätze überwinden; sachlich, aber interessant, anspruchsvoll und dennoch verständlich schreiben bzw. redigieren; und sich dabei in der kleinen Redaktion gegenseitig ergänzen. Gerade bei der Zeitschrift ist es – bei aller Routine – spannend, jeden Monat thematisch und terminlich passend zu produzieren und dabei genau so viel aus der Welt aufzunehmen, wie ins Heft passt. Es entlastet mich, nicht im wahren Wortsinn „etwas verkaufen“, in erster Linie auf die Auflage und damit z. B. auf reißerische Überschriften setzen zu müssen, sondern im Rahmen einer richtig verstandenen Öffentlichkeitsarbeit Interesse zu wecken und zu bedienen.
Entgegen mancher Erwartung besteht für mich das Abenteuerliche nicht darin, die Soldatinnen und Soldaten persönlich und im Ausland / im Einsatz zu begleiten – das ist von mir gar nicht so sehr gefragt. Doch aufregend war für mich einerseits der Weg aus dem Rheinland mit der damaligen Bundeshauptstadt Bonn über eher ländliche Wohn- und Arbeitsgebiete in Niedersachsen bis vor gut neun Jahren hierher in die neue Hauptstadt Berlin, wo es in Mitte wirklich sehr abwechslungsreich ist. Unerwartet und mindestens so abenteuerlich wie der Quer-Einstieg in den Journalismus waren sowohl manche Zeiten im Privatleben als Familienvater als auch die beruflichen Erlebnisse in Pastoral und Katechese. Andererseits war auch mein beruflicher Weg nach der Schule vom Wehrdienst, über das bereits erwähnte Studium mit ersten Erfahrungen in der Militärseelsorge, über Buch- und Zeitschriftenverlage bis hin zur „Kurie des Katholischen Militärbischofs“ nie langweilig. Und so wird es wohl vorerst im „Meer der Zeit“, in „Welt und Kirche“ auch bleiben …

 

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