Abenteuer im Beruf: "Erklären Sie das mal!"

"Kirche zu erklären, erläutern, verstehbar zu machen, das ist und bleibt ein herausforderndes Abenteuer", sagt Matthias Kopp, Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz und Leiter der Pressestelle/Öffentlichkeitsarbeit.

Pressestellen prägen Kommunikation. Mitunter etwas spröde, oft genug auskunftsfreudig. Es ist das Spannungsverhältnis zwischen Pressearbeit und PR. Wer hier heute noch trennen will, wird das kaum schaffen. Die beiden „P’s“ gehören zusammen. In beiden „P’s“ bin ich seit 16 Jahren unterwegs – vom kirchlichen Großereignis über die Politik und zur Kirche zurück. Gewiss, oft erlebe ich die Pressearbeit als fordernde Krisenkommunikation und manches Mal wünsche ich mir den alten Schreibtisch – damals bei Radio Vatikan – zurück, um im „Abenteuer Journalismus“ den Geschichten und Themen, den Thesen und Ideen journalistischer Arbeit nachzugehen.

Heute ist es in der Pressearbeit „die andere Seite des Schreibtisches“, spannend und herausfordernd und vor allem mit der Chance verbunden, selbst Themen zu setzen. Neben der thematischen Ausrichtung ist es vor allem das Erklären. Pressestellen – das ist schon ein Abenteuer – werden immer mehr zu Erkläragenturen, was auch gut ist. Was ist Fronleichnam, was feiern wir an Pfingsten und warum ist das Hasenfest in Wirklichkeit Ostern? Kardinal Karl Lehmann brachte es einmal in einer Rede so treffend auf den Punkt: „Wir müssen erklären, dass Golgotha nichts mit Colgate zu tun hat.“
In den zurückliegenden zehn Jahren kann ich feststellen, wie sehr der Satz „Erklären Sie das mal!“ am Telefon gefragt wird. Bei kirchenpolitischen Fragen ist das oft nicht so kompliziert, bei theologischen Sachverhalten, ethisch komplexen Differenzierungen und philosophischen Grundlagen um so anspruchsvoller. Für mich ist das – neben der Krisenkommunikation – das größte Abenteuer im „Abenteuer Journalismus auf der anderen Seite des Schreibtisches“: Erklären, was ist. Erklären, was gemeint ist. Erklären, was die Theologie denkt. Dann wird die Pressestelle zum Brückenbauer, als Erkläragentur schlägt sie die Brücke vom fragenden Journalisten zur Institution, die etwas erklärt. Und deshalb ist es gut, wenn es Journalisten gibt, die sich etwas erklären lassen, die einen Hunger nach Wissen zeigen, die das Fragen nicht verlernt haben, die Fakten prüfen, bevor sie das Urteil fällen. Wenn dann die Pressestelle etwas erklären kann, um zum Verständnis beizutragen, gelingt das tägliche Abenteuer Kommunikation.
Das nächste Projekt in diesem Abenteuer könnte es sein, ein Lexikon theologischer Grundbegriffe zu entwickeln auf der Grundlage dessen, was bei uns in der Pressestelle gefragt wird. Manche Begriffe haben wiederkehrende Konjunktur (besonders der „Exorzismus“ und „Karfreitag“), einige tauchen nur einmal in vielen Monaten auf (was ist der Unterschied zwischen einer „Exhortatio“ und einer „Enzyklika“?), die meisten kommen – und das macht das Spannende im Beruf des Erklärens aus – aus heiterem Himmel. Einige hundert Stichworte haben wir im Kirchenlexikon „Kirche von A-Z“ auf dbk.de gesammelt. Der Ausbau geht weiter.
Oft werde ich gefragt, ob die frühere Seite des Schreibtisches im Journalismus nicht wieder spannend wäre. Ich antworte dann: Kirche zu erklären, erläutern, verstehbar zu machen, das ist und bleibt ein herausforderndes Abenteuer. Das Abenteuer ist noch nicht zuende und die Brücke noch nicht fertig, weil sie jeden Tag neu gebaut werden muss. Auf soliden Pfeilern.

 

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