Abenteuer Beruf von Isabel Löchte

Die ZDF-Redakteurin Isabel Löchte ist eine der verantwortlichen CvDs für die Sendung „sonntags – TV fürs Leben“. Sie beschreibt ihren beruflichen Werdegang von der Filmemacherin zur Redakteurin als Abenteuer.

Als ich vor 26 Jahren begann, als Journalistin zu arbeiten, fand ich das ein großes Abenteuer. Immer neue Menschen und Orte kennen lernen, Themen recherchieren und meine Neugierde mit nie ausgehenden Fragen befriedigen, das fand ich toll. Eine meiner eindrücklichsten Reisen war 1992 nach Weißrussland. Wir drehten für den Film „Die Mütter von Tschernobyl. Zwischen Hysterie und Hoffnung“. Die Eindrücke aus der Todeszone begleiten mich bis heute, so wie ich mich auch an meine Rettung durch unseren Kameramann erinnere. Bei einem Gastmahl in einer Kolchose sollte ich Wodka trinken. Unmöglich für mich. Aber unmöglich auch die Gastfreundschaft zu verletzen. Der Kollege ließ übersetzen, ich sei schwanger – und damit war ich aus dem Schneider.

Seither ist eine lange Zeit vergangen. Und die Welt, besonders die Medienwelt, hat sich verändert. Damals ging man zur Anfangsrecherche ins Zeitschriftenarchiv, heute schaut man ins Internet, damals telefonierte ich erst einmal mit den Leuten, heute schreibt man eher E-Mails. Am Anfang war ich stolz, beim ZDF zu arbeiten, weil das als Qualitätsmerkmal galt, heute müssen wir uns eher rechtfertigen, dass öffentlich-rechtliches Programm nicht vor allem teuer und überflüssig ist.
Nachdem ich in den ersten Jahren selbst Filme gemacht habe, dann einige Jahre bei der Kulturzeit (3sat) aktuell gearbeitet habe, mache ich, seitdem wir Kinder haben, vor allem Redaktionsarbeit. Nachteil: Man ist nicht mehr so viel unterwegs und begegnet interessanten Menschen. Vorteil: Als CvD kann ich Inhalte grundsätzlicher mit gestalten. Um unser kleines aber feines Format „sonntags“, das Wertemagazin im ZDF, werden wir von unseren Kollegen im Haus immer wieder beneidet. Gerne würden sie auch unsere Themen bearbeiten oder für uns Filme machen. Und dabei senden wir nicht zur Primetime. Wir sind der Geheimtipp am Sonntagmorgen, senden dann, wenn viele noch keinen Fernseher anmachen.  
Aber empfinde ich meine Arbeit immer noch als Abenteuer? Im ZDF arbeite ich vor allem mit unserem Handwerkszeug und mit Erfahrung; und ich fühle mich immer noch privilegiert, weil ich jeden Tag noch etwas dazulernen darf. Das liebe ich an unserem Beruf. Abenteuerlich sind eher die Gespräche, die ich außerhalb des Senders führe - mit unseren Kindern und deren Freunden, mit Bekannten, auf Festen oder bei anderen Anlässen, Gespräche, in denen ich z.B. erkläre, was der Unterschied zwischen Journalisten und Publizisten ist oder was eine Nachricht im Unterschied zu fakenews ist.

 

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