Abenteuer im Beruf: Durch jeden Sturm

Sebastian Kraft hat 2009 bis 2011 ein Volontariat beim Bayerischen Rundfunk absolviert und ist danach in die Politikberichterstattung rein gerutscht. Als Landtagsreporter berichtet er mit Schwerpunkt Fernsehen über die politischen Ereignisse in Bayern, vor allem rund um die CSU.

Wird es dir nicht irgendwann langweilig? Immer dasselbe, nur einmal umgedreht oder mit anderen Protagonisten? Das werde ich nicht selten gefragt, meine Antwort ist aber auch immer dieselbe: Nein. Das Spannendste an der Politik ist: Es geht um ein unglaublich weites Feld. Wenn man denkt, alle Themen einmal gehabt zu haben, kommt plötzlich ein neues dazu. Mittlerweile bin ich Skilift-Experte am Riedberger Horn im Allgäu.

Hier wollen zwei abgelegene Gemeinden ihre Skigebiete über einen Verbindungslift verbinden. Was nach einem alltäglichen Bauvorhaben klingt,  hat in Bayern plötzlich eine landesweite Dimension: Der Lift geht durch die streng geschützte Alpenschutzzone C, die eigentlich nicht bebaut werden darf. Internationaler Alpenplan, damit heftiger politischer Streit. Die CSU will den Lift trotzdem, weil ihr die beiden Bürgermeister in den Ohren liegen und von der Abwanderung junger Leute berichten, wenn nicht Investitionen in den Tourismus kommen. Die Opposition schäumt natürlich, und irgendwann habe ich mir gedacht: Da musst du jetzt mal selber hoch. Mit einem skifahrenden Kamerateam samt Drohne bin ich also den Berg rauf gestapft. Hatte oben einen wunderschönen Blick übers Allgäu und wurde von Tourenskigehern fast über den Haufen gerannt. Die sind gegen einen Lift, weil sie ihr Gebiet erhalten und keine Abfahrer als Konkurrenz haben wollen. Soviel zum Naturschutz.
Das Beispiel zeigt: In der Politik ist es wie im Leben, nichts ist schwarz oder weiß, alles ist irgendwie grau, mal heller, mal dunkler. Auch die noch so absurdesten Positionen  kann ich mittlerweile zumindest nachvollziehen, wenn man mit den entsprechenden Protagonisten länger gesprochen hat. Das Problem ist dann meistens, dies in der Kürze der Berichterstattung möglichst treffend wiederzugeben. Aber das ist gleichzeitig auch die Herausforderung. Genauso wie das richtige Zusammenspiel zwischen Nähe und Distanz. Die Ware im Politikjournalismus ist Information – und die bekommt man nur, wenn man zu den Politikern einen guten Draht hat. Deshalb manchmal kritisch beäugt zu werden,  muss man aushalten, wenn man selbst weiß, dass man sich nicht vereinnahmen lässt.
Mir ist es noch nie passiert, dass mich ein Politiker angelogen hat. Denn sie wissen, dass ich auch mit anderen Leuten spreche und die Informationen spiegle, eine Lüge also schnell auffliegt.
Das mühsam erarbeitete Fachwissen, die guten Kontakte – in den letzten Wochen habe ich gemerkt, was das alles wert ist: CSU-Machtkampf heißt dann auch für die wenigen Landtagsjournalisten: Dauerberichterstattung, an manchen Tagen bis zur Erschöpfung. Eilmeldungen, die man ständig neu einordnen muss, dazu Informationen, die von einem Lager gezielt gestreut werden, um dem anderen zu schaden. Beide Lager sind da genauso schlimm. Mit Menschenkenntnis und kollegialem Austausch habe ich mich mit meinem Team durch die heißen Tage in kalter Jahreszeit gekämpft. In Eiseskälte vor der Parteizentrale eine Schalte nach der anderen, während drinnen mein Kamerateam mit vollem Einsatz um die besten Bilder kämpfte. Fernsehen ist vor allem Teamarbeit, der Einzelne ist nichts. Das ist der Reiz – aber auch immer wieder ein Abenteuer.

 

 

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